St. Albertus Magnus

Pfarrkirche St. Albertus Magnus

Bereits 1938 sollte „ein würdiges Gotteshaus“ die hölzerne Notkirche – meist „Holzkirchle“ genannt – ablösen. Doch erst im Sommer 1947 wurde der Kirchbau genehmigt, allerdings „unter Ausschluss jeden kontingentierten Baumaterials“, denn aufgrund des notwendigen Wiederaufbaus konnte kein Baumaterial zugewiesen werden.

Ab 20. Juli 1947 gruben Einheimische und Heimatvertriebene Fundamente für den 1. Bauabschnitt -Längsschiff und Turm- aus, Männer aus der Gemeinde brachen Tuffsteine auf der Schwäbischen Alb, Jung und Alt formten auf dem Kirchplatz  Kunststeine aus Kalksplitt und Zement. Die Benediktion des Längsschiffes als Gottesdienstraum mit dem am Chorbogen „angeflanschten“ Altarraum des Holzkirchles – im Volksmund als Starenkasten bezeichnet – fand am 4. Adventssonntag 1948 statt.

Den Auswirkungen der Währungsreform trotzend wurde der 2. Bauabschnitt mit Querschiff, Krypta und Sakristei im April 1949 in Eigenverantwortung ohne Baufirma angegangen. Unterstützt von hoher Spendenbereitschaft und den Ergebnissen von etwa 600 Bettelpredigten gelang das Werk: Am 29. Oktober 1950 luden über Lautsprecher vom vollendeten, gedrungenen Turm die Glocken der Beuroner Erzabtei zur Weihe des „gottgefälligen Werks der Selbsthilfe und Gemeinschaftsarbeit“ auf den Titel St. Albertus Magnus ein. In der Krypta wurde der Hauptaltar St. Michael und der Apsisaltar St. Anna geweiht.

Halbkreisförmige Rundbögen, massive und wuchtige Mauern sowie Kassettendecken kennzeichnen den neuromanischen Baustil der vom Münchner Architekten Ernst Barth entworfenen Pfarrkirche. Längsschiff einerseits und Querschiff mit Apsis andererseits sind nicht rechtwinklig einander zugeordnet, wie der Grundriss deutlich macht.

Diese unterschiedliche Orientierung ist als Achsknick bekannt und in vielen mittelalterlichen Kirchen anzutreffen. Er resultiert aus der „Ostung“, d.h. Orientierung der beiden Schiffe am Sonnenaufgang an zwei unterschiedlichen Tagen (Erwin Reidinger).
War der Achsknick des Münsters St. Maria und Markus auf der Reichenau Vorbild für die Kirche St. Albertus?

Den Besucher der Kirche begrüßt ein Tympanon über dem Haupteingang, dargestellt ist die Heiligste Dreifaltigkeit (Prof. Eugen Schwab, Stuttgart, 1948). In der Turmhalle steht das ehemalige Altarkreuz der Notkirche (Bildhauer Franz Josef Kohler, Bad Saulgau, 1933).

An die Opfer der letzten Kriege erinnert ein Wandrelief mit dem auferstandenen Christus (Bildhauer Peter Suerken, Esslingen, 1959).

Der Blick in den Kirchenraum beeindruckt durch die schlichte Harmonie von Neuromanik und moderner Kunst, von hochragendem Mittelschiff, den beiden Seitenschiffen, dem Querschiff sowie von Altar, Ambo und Tabernakelstele und spätromanischem Chorbogenkreuz (um 1250).

Anlass für die Neugestaltung des Chorraumes in Cannstatter „Travertin Kupferbank“ durch den Echterdinger Bildhauer Gerhard Tagwerker in 1973/74 war die Liturgiekonstitution des II. Vatik. Konzils. Links vor dem Chorbogen steht die beeindruckende spätgotische Madonna mit dem Jesuskind aus der Mainzer Schule (um 1480). Gegenüber, nahe zum Ambo,  weisen die 4 Evangelisten auf die Verkündigung des Evangeliums hin.

Die Darstellung des Kirchenpatrons im Querschiff ist -wie das Kreuz in der Turmhalle- auch eine Verbindung zum ehemaligen „Holzkirchle“, für das sie 1933 vom erwähnten Bildhauer Kohler geschaffen wurde. Im Steinsockel befindet sich eine Albertusreliquie. Ebenfalls von Tagwerker stammen die 14 Kreuzwegstationen aus Bronzeguss. Als Erinnerung an den 50. Weihetag der Notkirche und damit an 50 Jahre katholische Kirche Oberesslingen wurden sie am 3. Juli 1983 geweiht.

Stilvoll ist die 1990 eingeweihte neue Orgel (3 Manuale, 1 Pedal, 38 Register) in den Kirchenraum eingefügt. Ihr Prospekt greift die romanische Rundbogenform auf.

In der Krypta unter dem erhöhten Querschiff überrascht ein farbenprächtiges Rundfenster mit dem auferstandenen Christus (Wilhelm Geyer, 1950). Der heutige Altar ist aus dem ehemaligen Hochaltar der Kirche gefertigt. Die Madonna mit Jesuskind sowie die einfachen Kreuzwegtäfelchen – beides geschnitzt von Kohler – schmückten einst die Notkirche.

Die Neuauflage eines Kirchenführers wird ausführlicher auf Merkmale der Pfarrkirche eingehen und weitere Schmuckstücke der Pfarrkirche vorstellen.

(A. Storr, St. Albertus)

Mehr Informationen über das Werden und den Wandel der Kirchengemeinde St. Albertus Magnus in Oberesslingen finden Sie auf unserer Zeittafel.