Abschied von Pastoralreferent Uwe Schindera

„Niemals geht man so ganz …“

Dieser Liedtitel der Kölner Sängerin und Kabarettistin Trude Herr fiel mir für meinen Abschied ein. Er enthält ja beides: Ein wenig Melancholie, ein wenig Freude. Und so fühle ich mich im Moment auch. Denn am 30. April spätestens werde ich meine Schlüssel abgeben, den E-Mail-Account löschen und das Schild „Pastoralreferent Uwe Schindera“ am Pfarrbüro entfernen lassen. Zum 1. Mai darf ich in den Ruhestand gehen. Bedauerlicherweise geht mit diesem Ausscheiden kein „Gott sei Dank, es kommt jemand anderer dafür“ einher. Wie wahrscheinlich vielen bekannt, sieht die diözesane Stellenplanung nun ihr Ziel als erreicht an, die Pastoralen Aufgaben in unserer Stadt von sechs Personen in Vollzeit und einer mit einer halben Stelle zu bewältigen. Dieser Prozess wurde bei uns 2018 begonnen und wird nun mit einer neuen Organisationsstruktur schrittweise fortgeführt.

„Niemals geht man so ganz …“. Ein wenig traurig bin ich schon darüber, dass ich nun endgültig „Adieu“ denjenigen sagen muss, mit denen ich gerne hier in den Gemeinden, in der Ökumene, an der Hochschule, in den Kindergärten und in den Pflegeheimen zusammenarbeiten durfte! Vorneweg den Kirchengemeinderäten über die verschiedenen Perioden hinweg; den Sekretärinnen, hier vor allem Karin Schäfers und Andrea Schaffrath-Bäuerle, und den Mesnerinnen Emma Bretana und Martina Neuwald. Dazu gehören aber auch die vielen Kolleg*innen aus der Stadt-Pastoralkonferenz. Die Teamarbeit mit allen war zwar manchmal anstrengend, aber in der Summe hat es mir viel Spaß gemacht. Sie alle trugen dazu bei, dass ich mit Herzblut so wirken konnte, wie ich es vermochte. Ich bin sehr dankbar für das ungeheure Vertrauen und die große Wertschätzung, die mir von so vielen entgegengebracht wurde. Zudem entstanden mit der Zeit so viele Verbindungen, die nun den Abschied nicht leichter machen!

„Niemals geht man so ganz …“.Aber klar, ich freue mich auf den nun beginnenden neuen Lebensabschnitt. In Gedanken bin ich bereits am Auskundschaften, was nun alles möglich ist. Eines werde ich mir dabei noch aneignen müssen: Dem Tag eine Struktur zu verleihen. Terminkalender und Telefonanrufe, die bisher meinen Tag, manchmal bis ins Familienleben hinein, organisierten, verlieren ihre Dominanz. An ihre Stelle treten nun Dinge, die zuallererst mit mir und meiner Frau zu tun haben. Das wird spannend werden. Und die eine oder andere Idee gibt es bereits: Reisen, als Gasthörer studieren, Theaterspielen, Gemeinsames mit meiner Frau – kurz: Erkunden und Ausprobieren.

Doch zunächst gilt es, Abstand zu gewinnen: Ich zu meiner bisherigen Arbeit, und Verantwortliche aus den verschiedensten Gemeindetätigkeiten zu mir. Vielleicht kennen Sie die schwäbische Bitte. „Dätsch´-mer …?“ Charmant vorgetragen verbirgt sich dahinter so manche Erwartung, der man sich kaum zu entziehen vermag. In den nächsten gut 12 Monaten möchte ich nicht Mitglied im besagten „Dätsch`mer – Club“ sein. Das bitte ich zu respektieren! Es soll sich erst einmal, auf Schwäbisch „g´sait“, manches „zurechtruggela“. Ich denke, das tut uns allen gut!

„Niemals geht man so ganz …“.Fast zwei Jahrzehnte durfte ich vor allem hier in St. Albertus Magnus sein. in dieser Zeit hat sich viel verändert, habe ich mich verändert, haben wir uns alle verändert. Hatte ich zunächst unter Pfarrer Hans Nagel in meiner 50%-Tätigkeit einen klar umrissenen Auftrag, änderte sich das vor knapp zehn Jahren ganz schnell. Mit Pfarrer Stefan Möhler begann eine Neustrukturierung der Pastoral in ganz Esslingen. Nun übernahm ich zusammen mit den Kirchengemeinderäten in Delegation für Pfr. Möhler und im Auftrag der Diözese die Leitung der Gemeinde und wenig später auch in Hlgst. Dreifaltigkeit. Das Stichwort „Seelsorger vor Ort“ steht dafür. Trotz aller Verpflichtungen und trotz der Vielseitigkeit, die solche Funktionen mit sich bringen, war mir die persönliche Seelsorge immer am wichtigsten. Kranken-, Geburtstagsbesuche oder Trauergespräche – dafür ließ ich vieles einfach sein, wenn es die menschliche Situation erforderte. „Gott und den Menschen nahe“ umschrieb unser Bischof Dr. Fürst vor knapp 12 Jahren den diözesanen Prozess zur missionarischen Kirche. Für mich ist es, nicht erst seit dieser Zeit, mein Lebensmotto bis heute!

„Niemals geht man so ganz. Irgendwas von mir bleibt hier…“. Klar, es bleibt etwas übrig. Bei mir sehr viel an Erfahrungen, an persönlicher Entwicklung, an Erinnerungen, vor allem aber an Dankbarkeit Ihnen allen gegenüber! Bei manchen von Ihnen werden es die Erinnerungen an mich in speziellen Situationen sein, die dann auch wieder verblassen. Da drängt die Zeit schlichtweg andere Personen und Themen in den Vordergrund. Abgesehen davon: ich brauche kein „Ach wie schön war es doch mit Ihnen“! Mich freut es eher, wenn wir alle gemeinsam das vor uns liegende fest in den Blick nehmen und die dabei verantwortlich Handelnden in ihrem Tun so gut es geht unterstützen. Und wenn dann noch jemand sagt: ja, mir hat der Schindera Gott und Menschen etwas nahe gebracht, freut mich das, irgendwas von mir bleibt dann hier! Ich glaube, dann hat mich Gott zur rechten Zeit an den rechten Ort geführt, um meine Berufung zu leben. Gott sei Dank!

Bleibet´Se xond, auf bald und Gott befohlen

Uwe Schindera