Glockenübergabe in St. Albertus

Friedensglocken für St. Albertus

Im vierglockigen Geläut von St. Albertus Magnus befinden sich seit 1955 auch zwei Glocken aus den ehemaligen deutschen Städten Siegfriedswalde, heute Zegoty, und Dietrichsdorf, heute. Straszewo, Beide Orte gehören nun zu den polnischen Diözesen Ermland und Elblagg.

In einem feierlichen Akt am Samstag, 25. September wurden diese beiden Glocken an ihre eigentlichen Kirchengemeinden wieder zurückgegeben. Übergeben wwurden sie an Delegationen aus beiden Diözesen. Unter ihnen befand sich neben Professoren und Domkapitularen beider Diözesen auch Bischof Jacek Jezierski.

Erst vor wenigen Tagen erinnerten wir uns an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 82 Jahren. Dieser Krieg sorgte für so viel Leid, Verderben und Tod in vielen Ländern Europas und auf anderen Kontinenten, dass er eigentlich ein Mahnmal sein sollte für ein „Nie wieder Krieg!“ Die Geschichte bis heute zeigt uns, dass die Mahnung von damals aktueller ist denn je.

Doch gab es in den letzten Jahrzehnten viele Zeichen dafür, dass die Mahnung ernst genommen wird und sie in positive Friedenssignale verwandelt. Eines der markantesten dieser Friedenssignale in der Katholischen Kirche ist sicherlich der Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder vom November 1965. Dort schreibt an zentraler Stelle der damalige Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Kardinal Stefan Wyszynski (1901 – 1981) den erlösenden Satz: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung“. Kardinal Wyszynski wurde von Papst Franziskus als „Mutiger Hirte nach dem Herz Christi“ am 12. September seliggesprochen.

In diesem Geist der Vergebung und Versöhnung beschloss Bischof Dr. Gebhard Fürst ein weiteres Zeichen des Friedens zu setzen. Er möchte den Kirchengemeinden ihre eigenen, zum Teil Jahrhunderte alten Kirchenglocken wieder zurückgeben. Denn im Zuge fehlender Rohstoffe für die Waffenproduktion während des Zweiten Weltkriegs ließ die Nazidiktatur Kirchenglocken entfernen. Sie sollten nach dem Einschmelzen in Waffen umgeschmiedet werden. Sie stammten vornehmlich aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Nur ein geringer Teil dieser Glocken „überlebte“ den Krieg. Wegen des „Kalten Krieges“ durften die rund 1.300 Glocken nicht an ihre eigentlichen Eigentümerinnen, die Kirchengemeinden, in den damaligen sowjetischen Einflussbereich überführt werden. Da vor allem in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts viele neue Kirchen erbaut wurden, darunter auch St. Albertus Magnus, wurden sie leihweise in diesen Kirchen aufgehängt. Daher bezeichnet man diese Glocken auch als „Leihglocken“. So kamen sie ihrer eigentlichen Funktion nach, Menschen zum gemeinsamen Gebet zusammenzurufen. 67 solcher Glocken kamen so wieder zur ihrer ursprünglichen Verwendung in verschiedenen Kirchengemeinden der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Sofern die Eigentümerinnengemeinden ihre Glocken wieder haben wollen, erhalten sie sie zurück. So wie im Fall von St. Albertus Magnus dies die heutigen polnischen Gemeinden St. Katharina in Straszewo/ Dietrichsdorf und St. Johannes in Zegoty/ Siegfriedwalde wünschen. St. Albertus wird im Gegenzug dafür neu gegossene Glocken erhalten. Sie werden zu Friedensglocken für Europa geweiht und aufgehängt werden. Damit entsteht eine Verbindung zwischen den deutschen und den polnischen Gemeinden als Zeichen für ein friedliches Miteinander. Zudem ziert ein Gebet auf lateinisch, deutsch und polnisch die Glocken: „Ich erbitte Versöhnung und Frieden in Europa durch Jesus Christus, Unseren Herrn, den Friedensfürst.“

Glocke aus St. Johannes, Siegfriedswalde/ Zegoty von 1759 Foto: Hans Schnieders
Glocke aus St. Katharina, Dietrichsdorf/ Straszewo von 1719. Foto: Hans Schnieders

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier geht es zur Begleitpublikation des Projekts „Friedensglocken für Europa“.