Information zum Immobilienkonzept: (Leider nur) Stein- reich…

Reich an Steinen sind wir in Esslingen: Ja, wir haben in unseren Esslinger Kirchengemeinden viele schöne und wertvolle Immobilien, Kirchen, Gemeindehäuser, Kindergärten und Pfarrhäuser. Wir freuen uns daran und nutzen sie gerne, aber sie kosten auch viel Geld für den täglichen Betrieb, für notwendige Reparaturen und Sanierungen. Alle, die selbst ein Häusle bauen oder sanieren, wissen, in welchen Höhen sich heute Bau- oder Sanierungskosten bewegen. Noch haben wir das notwendige Geld, doch anders als die Baukosten sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder und damit auch die Einnahmen.

Da dies nicht nur in Esslingen so ist, sondern in der ganzen Diözese Rottenburg- Stuttgart, hat unsere Diözese uns die Aufgabe gestellt, ein Immobilienkonzept zu entwickeln, das für die nächsten fünf bis zehn Jahre eine Reduzierung der Gebäude vorsieht. Die Kirchen sollen dabei möglichst ausgenommen werden, nicht aber die anderen Gebäude unserer Gemeinden. Eine schwierige Aufgabe, denn in jedem dieser Gebäude steckt viel Herzblut der Gemeindemitglieder, und ganz handfest: Die Arbeit und das Geld derer, die in den 50er – 70er Jahren mitgebaut haben und seither die Häuser gepflegt und durch ihr Engagement belebt haben. Andererseits sehen wir nicht erst seit „Corona“, wie häufig unsere Räume auch leer stehen oder nur noch von kleinen Gruppen genutzt werden. Und dass gerade unsere Gebäude, die jetzt 50 bis 60 Jahre alt sind (und das sind die meisten bei uns), in den kommenden Jahren einen hohen Sanierungsbedarf haben werden.

Es ist also nicht nur geboten, sondern auch sinnvoll, uns jetzt Gedanken zu machen über eine mittelfristige Planung für unsere Immobilien. Die Kirchengemeinderäte sind seit dem Frühjahr mit diesem Thema beschäftigt und haben erste Überlegungen angestellt, wo wir uns von Gebäuden trennen, oder wie eine veränderte, zeitgemäße Nutzung unserer Gebäude aussehen könnte: Sei es durch eine gemeinsame Nutzung von Gebäuden mit der Nachbargemeinde oder der evangelischen Gemeinde im Stadtteil. Sei es durch einen Neubau am gleichen Ort mit kleinerer Kirche und Gemeinderäumen, ergänzt durch eine sozial ausgerichtete Bebauung wie betreutes Wohnen für Senioren oder Jugendliche; dafür gibt es im Stuttgarter Raum gelungene Beispiele. Sei es durch Verzicht auf ein Gemeindezentrum zugunsten der Vergrößerung des Kindergartens, so dass dringend benötigte Betreuungsplätze geschaffen werden können. Sei es durch Veräußerung eines Pfarrhauses, um Geld für die notwendig gewordene Kirchensanierung zu bekommen. Oder vielleicht müssen wir uns doch von einem Standort ganz verabschieden- verkaufen, gar abreißen?

Ja: es geht um tiefgreifende Einschnitte in unseren Gemeinden. Aber auch: Es geht nicht um Schnellschüsse. In den nächsten 1-2 Jahren wird kein Gemeindezentrum zugesperrt. Noch haben wir die Zeit und das Geld, diese Dinge in Ruhe und eher mittelfristig zu planen. Wir werden in den kommenden Ausgaben der Kirchlichen Mitteilungen darüber berichten, welche Überlegungen wir in den Kirchengemeinderäten für unsere einzelnen Kirchengemeinden und ihre Gebäude bisher getroffen haben und wie es weitergehen könnte.

Meine Bitte: Beteiligen Sie sich an diesem wichtigen Entscheidungsprozess. Sprechen Sie Ihre Kirchengemeinderäte darauf an. Oder schreiben Sie uns. Die Kontaktdaten finden Sie in diesem Heft. Und meine zweite Bitte: Bemühen wir uns alle um eine ehrliche, sachliche Diskussion. Wie gesagt: Mit unseren Gebäuden sind viele Emotionen und wichtige persönliche Erfahrungen verbunden. Da kann man schnell einmal rot sehen und aufbrausen, wenn über Umbau, Veräußerung oder gar Abriss gesprochen wird. Versuchen wir, gemeinsam und sachlich auch in dieser Frage möglichst gute Lösungen für unsere Gemeinden in der Katholischen Kirche Esslingen zu finden.

Ihr Pfarrer Stefan Möhler

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